Der Mensch Queri

1879 in unserem Haus geboren und aufgewachsen, hat Georg Queri nach dem Abitur die Journalistenlaufbahn eingeschlagen, war bei verschiedenen Zeitungen Redakteur oder Berichterstatter und als solcher mit wachen Augen und stets gespitztem Bleistift unterwegs. Die Menschen des bayerischen Oberlandes, seiner engeren Heimat, hat er mit all ihren Freuden und Sorgen, Spitzbübereien, Querdenkereien, Dummheiten, schlauen Finten und Gebräuchen in großen und kleinen Szenen, Episoden, Erzählungen, Gstanzln, Liedern, Gedichten, Possen und Romanen porträtiert – in Texten, die man heute meist nur noch über Antiquariate bekommen kann.

Queri nahm alle unter die Lupe: groß und klein, reich und arm, Freie und Gebeutelte, Großbauern, Knechte und Mägde, Geistliche, Gerichtsherren, kleine Beamte und Handwerker. Was er niederschrieb, waren selten am Schreibtisch erdachte Begebenheiten, sondern fast immer Selbsterlebtes, Zugetragenes, Aufgeschnapptes, Beobachtetes, Erforschtes. Mit den Augen Ludwig Thomas sehen wir ihn in genießerischer Behäbigkeit unter Menschen sitzen, wie er jeden Augenblick auskostet und seine Umgebung mit verschmitztem Blick beobachtet. „Mit seinem breiten Lachen und seinem schlagfertigen Witz“, so sagte Thoma, „saß Altbayern am Tisch.“

Wir stellen uns vor, wie er in unserer Gastwirtschaft, in Bauernhäusern und Amtsstuben Stoff für seine Geschichten sammelte.

Queri wollte die Sprache der Altbayern authentisch wiedergeben und keinesfalls verfeinert ins Literarische erheben. Seine Absicht war, nichts zu verfälschen, wodurch er den Weg des reinen Erzählens verließ und zum Dokumentaristen altbayerischer Sprache, alten Sprachguts und alter Redensarten wurde. Und so kam es auch, dass er Übersetzungen, Kommentare und Untersuchungen lieferte, d.h. Sprachforschung anstellte, und zusammen mit dem „Bairischen Wörterbuch“ von Andreas Schmeller (1785-1852) den Grundstein zur wissenschaftlichen Erforschung der bayerischen Mundart legte.

Queri schrieb auch Bühnenstücke. Mit seinem Singspiel „Matheis bricht’s Eis“ wollte er einen ersten Schritt hin zur heiteren Volksoper tun. In seinem Todesjahr 1919 wurde das Stück am Tegernseer Volkstheater aufgeführt.

Viele seiner großen Pläne konnte Georg Queri nicht mehr vollenden, denn er starb schon mit 40 Jahren. Ein Splitterbruch des Hüftknochens, den er sich beim Schulturnen zugezogen hatte, machte ihm zeitlebens zu schaffen. Umso bewundernswerter ist, dass er kein Jammerer, Nörgler oder Griesgram war, sondern um mit den Worten Ludwig Thomas zu sprechen, ein allaweil zufriedener, heiterer, optimistischer Mensch, den jeder gern haben musste. Und so sitzt er heute unter uns!

Ihr Oberer Wirt zum Queri

Familie Hans Martin Bauer und  die Queri-Brigade